Sie sind hier: Geschichte 50 Jahre im Blick

Johanna Richtarsky ist seit 50 Jahren in verschiedenen gemeindlichen und öffentlichen Gremien ehrenamtlich tätig. Während dieser Zeit erlebte sie auch die Entstehung des St. Monikaheims und die Veränderungen im Laufe der Zeit. Bis heute wirkt Frau Richtarsky als Mitglied des Verwaltungsrates an entscheidender Stelle mit, um alten Menschen eine Pflege auf der Grundlage christlicher Werte anzubieten.

Eine ganz persönliche Betrachtung
1952 gehörte ich noch nicht zur Augustinusgemeinde in Hameln, sondern war Pfarrjugendführerin in Hess. Oldendorf und damit beschäftigt, eine Familie zu gründen.
Wenn ich also über die Anfänge des St. Monikaheimes und die Gemeinde als Trägerin der Einrichtung berichten will, muss ich nach Spuren suchen bis zu „meiner Zeit“ für dieses Haus. Fündig wurde ich in der Chronik der Gemeinde und in den Protokollen des Kirchenvorstandes, aber auch durch viele Gespräche mit Zeitzeugen im Laufe der Jahre.
Wie war das damals?
Das Ende des 2. Weltkrieges und als Folge davon die Vertreibung der Menschen aus den deutschen Ostgebieten stellte die Stadt Hameln, aber auch die kath. Kirchengemeinde, vor unvorstellbare Probleme. Neben der großen Sorge um den Lebensunterhalt war die Versorgung mit Wohnraum eine fast nicht zu bewältigende Not.
Ich erinnere mich noch sehr gut an diese Zeit – gehöre ich doch selbst zur Gruppe der Vertriebenen – , in der Familien in ein oder zwei Räumen ohne Küche und Bad lebten und Konflikte unvermeidbar waren, besonders, wenn es sich im Zusammenleben um verschiedene Generationen handelte. Problematisch war nicht nur der viel zu enge Wohnraum, es fehlte an Lebensraum!
Aus heutiger Sicht  ist bewundernswert, dass die Sorge der Verantwortlichen in der Kirchengemeinde – Dechant Hövelmann und die Mitglieder des Kirchenvorstandes – nicht nur dem viel zu kleinen Kirchenraum galt, sondern dass sie die Not der Schwächsten, der Kinder und der alten Menschen, erkannten und handelten. Der Entschluss, einen Kindergarten und ein Altersheim in der Trägerschaft der Kirchengemeinde zu bauen – und das im Verlaufe nur eines einzigen Jahres –, verpflichtet uns auch heute noch nach 50 Jahren zu großer Dankbarkeit und Anerkennung.
Wie war die Situation der ersten Bewohner im Altenheim?
Durch die Vertreibung aus der Heimat hatten viele Menschen nicht nur ihr Hab und Gut, sondern auch ihren Lebenskreis verloren. Besonders dramatisch war das für alte Menschen, die z.T. in der Großfamilie ihren behüteten und gesicherten Platz hatten. Sie fühlten sich häufig  überflüssig, waren oft getrennt von ihren Kindern und Verwandten oder lebten als Alleinstehende. Für sie konnte eine Einrichtung wie das Monika-Heim eine neue Heimat – auch in der fremden Umgebung – sein.  Mit dem Alter von 60 Jahren war die Aufnahme ins Heim möglich, die Zugehörigkeit zur Kirchengemeinde Bedingung. Manche Bewohnerin und mancher Bewohner waren froh, sich noch ein wenig in Küche, Haus, Garten oder Nähstube nützlich machen und in der Nähe der Kirche leben zu können. Die Einrichtung der Zimmer war einfach, die Ansprüche bescheiden, die Pflege nahm nur einen geringen Stellenwert ein. Das Haus hatte mehr den Charakter einer Wohngemeinschaft. Es kam vor, dass mancher Bewohner bis zu zwei Jahrzehnte in ihm lebte.
Nach den von mir geschilderten Anfängen unseres Hauses spiegeln sich in den 5 Jahrzehnten danach die gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen wider und damit auch das gewandelte Bild des alten Menschen. Dies bedeutet für uns eine große Herausforderung in der Pflege alter Menschen und erfordert einen pflegerischen Neuansatz. Damals waren es die ab 60-jährigen, die Zuflucht und Heimat in unserem Haus suchten, heute beträgt das Durchschnittsalter bei der Aufnahme ca. 85 Jahre. Gesetzliche Vorgaben, nicht zuletzt auch die Einrichtung der Sozialstationen und der Pflegeversicherung, ermöglichen durch die ambulante Pflege das Verbleiben pflegebedürftiger alter Menschen in ihrer häuslichen Umgebung bis zu dem Zeitpunkt, wo diese nicht mehr ausreicht und stationäre Pflege notwendig ist. Diesen Veränderungen haben wir uns als Träger in den 50 Jahren stets gestellt. Sie kennzeichnen  den Weg vom Altenheim mit Wohngemeinschafts-Charakter zum Altenpflegeheim mit fachlich qualifiziertem Personal und mit Konzepten, die den Lebensbedürfnissen und der Pflege besonders auch altersverwirrter Menschen ganzheitlich entsprechen.
Was bedeutet heute die Trägerschaft für die Pfarrgemeinde?
„Pflege von Mensch zu Mensch“ ist das Leitwort,  unter dem die Mitarbeiter und die Verantwortlichen in ihrem Auftrag in der Sorge um unsere Bewohner in Pflege und Betreuung stehen. Gleiches gilt für die Gemeinde als Trägerin in der Verantwortung, die geprägt ist von christlicher Nächstenliebe und gemeindlicher Caritas.
Wer trägt konkret die Verantwortung der Gemeinde als Trägerin?
Wie vom Beginn an sind auch heute der Pfarrer der Gemeinde und die gewählten Mitglieder des Kirchenvorstandes die Vertreter der Gemeinde für das Altenpflegeheim St. Monika. Als Eigentümer des Hauses tragen sie nicht nur Verantwortung für das Gebäude und das Gelände,  sondern auch für die Wirtschaftsführung, für die Bewohner und die Mitarbeiter und ebenso für  das Profil. Es ist geprägt vom christlichen Handeln, in dem uns der würdevolle Umgang mit unseren Bewohnern, die ihrem Lebensende entgegengehen, besonders wichtig ist. Zur flexiblen Wahrnehmung dieser Aufgaben wurde vom Kirchenvorstand ein Verwaltungsrat gebildet. In seiner Satzung vom Juni 1998 heißt es: „ Vom Kirchenvorstand der Katholischen Kirchengemeinde St.Augustinus Hameln wird zur ordnungsgemäßen Verwaltung und Betriebsführung des Heimes ein Verwaltungsrat ... bestimmt.“ ...„Der Verwaltungsrat besteht aus drei Mitgliedern“ (zur Zeit: Pfarrer Joachim Wingert, Frau Johanna Richtarsky, Herr Siegfried Hartwig).
Welche Aufgaben hat der ehrenamtlich tätige Verwaltungsrat als oberstes Gremium der Einrichtung?
Er repräsentiert den Kirchenvorstand, verantwortet die Wirtschaftsführung, veranlasst  bauliche Veränderungen, begleitet und fördert das Leben im Heim, reagiert auf veränderte Bedürfnisse der Bewohner mit neuen Konzepten und orientiert sich an gesellschaftlichen Veränderungen. Die Gesetzgebung und offiziellen Richtlinien sind Grundlage des Handelns. Die Zusammenarbeit des Verwaltungsrates mit Heimleiter Michael Jungnitz ist getragen von großem Vertrauen und dem gemeinsamen Ziel, dem Wohl der Bewohner zu dienen.
Wie ist unsere Kirchengemeinde mit dem Altenpflegeheim verbunden?
Unser Heim ist ein offenes Haus, in dem Besucher uns immer willkommen sind. Besonderen Wert hat für uns die lebendige Verbindung zu den Kirchengemeinden, die auf vielfältige Weise praktiziert wird.
Ein besonderes „Juwel“ sehe ich in der Kapelle im Dachgeschoss unseres Hauses, in der Bewohner und Besucher einen Ort der Ruhe und Besinnung finden können.
Dort können die Bewohner den sonntäglichen Gemeindegottesdienst mithören und die Hl. Kommunion empfangen. Wöchentlich wird der Gemeindegottesdienst dort in der Kapelle gefeiert und monatlich auch der  Evangelische Gottesdienst. Gespräche mit Pfarrer Wingert und für die Evangelischen Christen mit Pastor Grosse und seiner Frau sind fester Bestandteil der religiösen Betreuung und werden dankbar angenommen.
Feste und Feiern im Heim, in der Kindertagesstätte und in der Gemeinde bringen Freude und Abwechslung in das Leben unserer Bewohner. Bestehende Kontakte werden dabei vertieft und neue geknüpft.
Wir sind sehr dankbar für das Engagement vieler Ehrenamtlicher. Nicht nur bei Festen und Feiern sind sie  unentbehrlich, sondern auch durch verschiedene Dienste, die ihren Talenten und Möglichkeiten entsprechen, wie vorlesen, singen, spielen, basteln und vieles mehr bis hin zu Einzelbetreuung und persönlicher Zuwendung. Sehr wichtig ist uns auch die Pflege der Beziehung zwischen Jung und Alt. Seit 1996 treffen sich Kinder aus der direkt benachbarten Kindertagesstätte mit unseren Bewohnern, um miteinander zu musizieren, zu spielen, zu basteln und sogar zu backen. Aus diesen Begegnungen hat sich eine Patenschaft zwischen drei Bewohnerinnen aus dem Altenpflegeheim und einer Gruppe aus der Kindertagesstätte entwickelt, an der beide Seiten viel Freude haben. Den MitarbeiterInnen beider Einrichtungen sind wir dankbar für diese außergewöhnlichen und wertvollen Begegnungen zwischen den Generationen.
Der Pfarrgemeinderat ist neben dem Kirchenvorstand das andere leitende Gremium der Gemeinde, dem zwei Mitarbeiter des Monika-Heimes angehören. Seinen Mitgliedern, die sich besonders für das Gemeindeleben engagieren, bedeutet es viel, unsere Bewohner mit einzubeziehen. Aber auch andere Gruppen und Verbände unserer Gemeinden, wie z.B. Seniorenkreise, sind gern gesehene Gäste unseres Hauses.
Kontakte zu anderen Einrichtungen der stationären und ambulanten Altenhilfe sind uns ein besonderes Anliegen. Unser Heimbeirat nimmt an den Treffen der Heimbeiräte in der Stadt Hameln teil, und zwei Mitglieder des Senioren-Beirates begleiten das Leben in unserem Haus.
Bei Festen bereichern uns Musikgruppen und Chöre, der Karnevalsverein und immer wieder die Tanzgruppen des Deutschen Roten Kreuzes  durch ihre Darbietungen: zur Freude unserer Bewohner und als Gewinn für beide Seiten. An Angeboten der Stadt für Senioren wie Dampferfahrten und Senioren-Nachmittagen nehmen wir mit unseren Bewohnern, begleitet von MitarbeiterInnen und Ehrenamtlichen, gern teil. Die Teilnahme am „öffentlichen Leben“ ist uns wichtig.
 
Auf die vergangenen 50 Jahre kann die St.Augustinus-Gemeinde als Trägerin unseres Heimes voller Dankbarkeit zurückblicken; so schauen wir auch zuversichtlich in die Zukunft.
Wir bitten Gott, er möge alle, die unter dem Dach unseres Hauses leben, behüten, geleiten und beschützen.
Johanna Richtarsky