Sie sind hier: Geschichte Die Anfänge

des Katholischen Altenpflegeheims St.Monika

Joachim Wingert ist seit 1997 Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde St.Augustinus. Zugleich hat er den Vorsitz im Verwaltungsrat des Altenpflegeheimes St.Monika inne.

In der Notzeit unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkrieges sah sich auch die Katholische Kirchengemeinde in Hameln vor ungeheuere Herausforderungen gestellt. Die bis dahin kleine und weit verstreut lebende Kirchengemeinde (vor dem Krieg etwa 1700 Mitglieder) war durch den Zustrom der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge stark angewachsen und zählte nun rund 14.000 Seelen. Viele dieser Menschen suchten nicht nur eine neue Heimat, sondern waren oft aus den Bindungen ihrer Familien herausgerissen worden. So erkannte die Kirchengemeinde schon in den ersten Monaten nach dem Krieg die Notwendigkeit, sich aus dem Geist christlicher Nächstenliebe besonders für kleine Kinder und für alte Menschen einzusetzen. Dies wurde auch dadurch befördert, da im November 1944 Katholische Ordensschwestern nach Hameln gekommen waren: Armen-Schwestern vom Hl. Franziskus, die mit anderen Katholiken aus der Diözese Aachen hierher evakuiert worden waren. Sie werden im Pfarrhaus der Gemeinde am Ostertorwall/Ecke Wilhelmstraße untergebracht und sind im Laufe der Zeit in der Ambulanten Armen- und Krankenpflege, in der Seelsorgshilfe, im Kirchendienst, im Kindergarten und in Handarbeits- und Nähkursen tätig.
Nach den Wirren des Kriegsendes, die auch in der Gemeinde sehr intensiv erlebt werden, kann sich das Gemeindeleben nur schwer wieder normalisieren. Das enorme Anwachsen der Gemeinde und die weite Zerstreuung ber die Stadt und über viele Dörfer, deren Bevölkerung bis dahin allein evangelisch geprägt war, machte die Seelsorgsarbeit sehr schwierig. Viele Gottesdienststationen mußten eingerichtet werden, es waren weite Wege zurückzulegen, und es gab nur unzureichende Verkehrsmittel. Die kleine Pfarrkirche am Ostertorwall ist nicht nur an Feiertagen, sondern auch an den Sonntagen immer überfüllt, obwohl bis zu 5 Gottesdienste gefeiert werden.
Andererseits erwchst aus der nun großen Zahl der Katholiken ein neues Selbstbewutsein für die Gemeinde, das sich z.B. in der Fronleichnamsprozession zeigt, die nun nicht mehr nur im Pfarrgarten, sondern auf den Straßen der Nachbarschaft in der Öffentlichkeit gehalten wird. So kommt auch bald der Wunsch auf, eine neue, größere Kirche zu errichten.
Die Anwesenheit der Ordensschwestern und die neue Größe der Gemeinde ermutigen die Verantwortlichen im Kirchenvorstand unter Dechant Carl Hövelmann zu außergewöhnlichen und weitreichenden Entscheidungen. Schon am 17. Juli 1945 kann provisorisch ein Kindergarten eingerichtet werden, in einer Schulklasse der ehemaligen katholischen Volksschule, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder eröffnet war.
Ebenso möchte man auch eine Betreuungseinrichtung für alte Menschen schaffen. Im Frühjahr 1949 wendet sich Direktor August Roolf an den Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes im Freiburg und schlägt die Errichtung eines katholischen Krankenhauses vor. Dechant Hövelmann erinnert in seiner Stellungnahme daran, da ein katholisches Altersheim oder Krankenhaus seit Jahren geplant sei und da auch die hiesigen Schwestern immer wieder darauf drängen. Die finanziellen Erfordernisse all dieser Gedanken und Überlegungen sind aber für die Diaspora-Gemeinde zu hoch. Die Gemeinde treibt diese Vorhaben trotzdem weiter voran. Dabei geht es um die Frage, ob Kirche, Altersheim, Kinderhort und Schwesternhaus auf dem angestammten Gelände Ostertorwall / Wilhelmstraße errichtet werden können. Für diese Lage werden erste planerische Entwürfe angefertigt. Sie sehen zum einen den Neubau einer Kirche vor, zwischen Kirche/Pfarrhaus und Schulgebäude an der Wilhelmstraße gelegen; in dieser Planung wird die vorhandene Kirche als Gemeindesaal umgebaut. Zum anderen gibt es Pläne für ein Altersheim zwischen Kirche/Pfarrhaus und Schulgebäude; in diesem Fall würde das bestehende Pfarrhaus als Schwesternhaus verwendet und die Kirche würde als Gottesdienstraum für das Altenheim und die Schwestern genutzt. In diesen Planungen wird deutlich, daß die Größe des kircheneigenen Grundstücks für eine Bebauung mit allen gewünschten Vorhaben nicht ausreicht. Daher konzentriert man sich mehr und mehr auf den Kauf eines neuen, größeren Grundstücks. Von der Stadtverwaltung wird das Gebiet um die Lohstraße vorgeschlagen. Das zuerst vorgesehene Gelände direkt gegenüber der Mittelschule zwischen Loh- und Zentralstraße wird wegen seiner dreieckigen Form als städtebaulich nicht befriedigende Lösung ausgeschieden. Daraufhin bietet die Stadt das sogenannte Tivoli-Grundstück zwischen Lohstraße, Bennigsenstraße und Sertürnerstraße an. Im Dezember 1949 legt Otto Hodler, Oberregierungs- und -baurat bei der Regierung Hannover, Erläuterungen und Kostenschätzung zum Vorentwurf für eine kath. Kirche mit Altersheim, Schwesternhaus und Kinderhort vor. Da im Einzelnen noch nicht bekannt ist, welche Räume unterzubringen sein werden, kann diese Vorplanung nur ohne Festlegung eines genauen Raumprogramms erfolgen. In den folgenden Monaten werden die Pläne immer wieder verändert.
Der Kirchenvorstand benennt am 26. April 1950 einige Herren, die zusammen mit Direktor Roolf die Verhandlungen mit der Stadt über den Kauf des Tivoli-Geländes weiterführen sollen. Nach Gesprächen auch mit dem Bischof in Hildesheim beschließt der Kirchenvorstand am 24. Oktober 1950 den Kauf des Tivoli-Geländes; der Kaufvertrag wird am 27. Januar 1951 unterzeichnet. Die Größe dieses Grundstückes mit ca. 8000 Quadratmeter macht es möglich, alle geplanten kirchlichen Gebäude in zweckmäßiger Weise dort unterzubringen, sodaß ein kirchliches Zentrum entstehen wird. Es bleiben auch noch ausreichende Gartenflächen zur Verfügung, die später gegebenenfalls für Erweiterungen herangezogen werden können.
In der Besprechung am 4. April 1951 fällt die endgültige Entscheidung, das Schwesternhaus und Altersheim nicht an der Wilhelmstraße zu errichten, sondern in die geplante neue Anlage einzubeziehen und dafür den Bereich an der Sertürnerstraße vorzusehen; für die Ausführung der Planungen wird diese Reihenfolge festgelegt:
a) Kindergarten
b) Altersheim
c) Kirche.
Vorher hatte Hodler mitgeteilt, daß vom Ministerium für Vertriebene und Sozialangelegenheiten abgeraten wird, heute noch Altersheime zu bauen, da inzwischen sehr viele gebaut worden seien und zu befürchten sei, daß die Heime leerstehen. Andererseits bestätigt die Stadt Hameln: Der Antrag der Katholischen Pfarrgemeinde Hameln auf Errichtung eines Altersheimes mit zirka 30 bis 40 Betten wird von der Stadt Hameln dringend befürwortet. Wir bescheinigen hierdurch die Notwendigkeit eines solchen Heimes, da durch den Einstrom von rund 21000 Flüchtlingen in unsere Stadt ein dringendes Bedürfnis zur Unterbringung von alten Leuten vorliegt. Das Städtische Pflegeheim ist bereits überbelegt (31.5.1951). Die Unsicherheit bleibt bestehen, ob das Haus von öffentlicher Seite als erforderlich angesehen wird, sodaß noch weitere Möglichkeiten bedacht werden: Der Bau soll so angelegt werden, daß ohne Schwierigkeiten Kleinwohnungen hergerichtet werden können, für den Fall, daß ein Altersheim nicht mehr benötigt bzw. nicht mehr genügend besetzt wird (Schreiben an das Finanzamt Hameln, 31. Mai 1951). Da die Finanzierung des Neubaus sich äußerst schwierig gestaltet, stellt die Gemeinde im September 1951 an den Niedersächsischen Sozialminister den Antrag, den Neubau eines Altenheimes aus öffentlichen Mitteln für den sozialen Wohnungsbau zu fördern: “Die Gemeinde erblickt in der Aufnahme von älteren Ehepaaren und alleinstehenden Personen eine Entlastung der allgemeinen Wohnverhältnisse in Hameln. Sie möchte daneben auch ihrer Fürsorgepflicht nachkommen und alten Menschen, sei es, daß diese als Flüchtlinge ohne Habe und Heim nach Hameln gekommen sind, oder daß diese sonst einen eigenen Haushalt nicht mehr führen können, einen ruhigen Lebensabend bieten”. Anfang November 1951 teilt Dechant Hövelmann im Kirchenvorstand mit, daß der Baubeginn für den Kindergarten an der Lohstraße bevorsteht (22. November 1951) und da auch mit dem Bau des Altersheimes in nächster Zeit gerechnet werden kann. Oberbaurat Hodler verhandelt weiter mit dem Stadtbauamt ber den Anschlu des geplanten Neubaus an die vorhandene Bebauung in der Sertürnerstraße.
Dann endlich können die Arbeiten beginnen:
Dezember 1951. Auf dem Tivoli-Gelände wurde inzwischen mit dem zweiten großen Bauprojekt begonnen. Es wurde mit den Ausschachtungen für das Altersheim angefangen (Chronik). Es ergeben sich aber noch Schwierigkeiten, da ein auf dem Baugelände stehender Wäschereibetrieb noch nicht verlegt werden konnte.
Trotzdem ist im zu Ende gehenden Jahr der Anfang gemacht worden. Am 31.12.1951 legt Oberbaurat Hodler eine detaillierte Entwurfsbeschreibung vor: insgesamt 39 Betten; im Erdgeschoß die Männerabteilung und im 1. Obergeschoß die Frauenabteilung; im teilausgebauten Dachgeschoß die Zimmer für vier Ordensschwestern und die Hauskapelle; ein weiterer Ausbau des Dachgeschosses mit weiteren Zimmern für Bewohner kann später vorgenommen werden; der umbaute Raum umfaßt rund 3360 Kubikmeter; die reinen Baukosten werden auf 168000 DM veranschlagt. Mit Datum vom 25. Januar 1952 fertigt die Stadt Hameln den Bauschein aus. In der Sitzung vom 26. Januar legt der Kirchenvorstand die Finanzierung fest (Mittel aus 1. Hypothek, sozialem Wohnungsbau, Soforthilfe und von kirchlicher Seite) und beschließt die Vergabe der Aufträge für die Rohbauarbeiten.
„3. März 1952. Nachdem es nunmehr gelungen ist, den restlichen Platz für das Altersheim freizubekommen, können nunmehr die Arbeiten fortgesetzt werden. Die Ausschachtungsarbeiten gestalteten sich sehr schwierig, da die Wurzel eines großen Baumes entfernt werden mußte und auch der Turm auf dem Tivoligelände abgerissen wurde. Der Bau wird nun ohne Schwierigkeiten schnell vorwärts gehen können“ (Chronik) Auch der Bau des Kindergartens macht gute Fortschritte. Nach dem Richtfest Ende Januar 1952 kann schon am 30. Juli 1952 die Eröffnung festlich gefeiert werden.
Kurz zuvor hatten die bisher in der Gemeinde tätigen Ordensschwestern vom Hl. Franziskus wegen Schwesternmangel die Gemeinde verlassen und kehrten in ihr Mutterhaus nach Aachen zurück. Vom 15. November 1944 bis 12. Mai 1952 waren insgesamt 7 Schwestern in der Kirchengemeinde St.Augustinus in Hameln tätig gewesen.
In der Nachfolge kommen Barmherzige Schwestern vom Hl. Karl Borromäus aus dem Kloster Grafschaft/ Sauerland in die Gemeinde (früher: Mutterhaus Trebnitz in Schlesien), die die Leitung des Kindergartens und des Altenheimes übernehmen und deren Wohnung im Dachgeschoß des Altersheimes eingerichtet wird. Für das Altersheim ist das Richtfest am 2. Juli 1952: „Richtfest im Schatten der Kastanien – Katholisches Altersheim für 50 Personen – Auch der Kindergarten bald fertig. Mittwoch nachmittag konnte im Beisein des Dechanten Hövelmann, der Vertreter des Kirchenvorstandes und zahlreicher Ehrengäste das Richtfest des Katholischen Altersheimes an der Sertürnerstraße gefeiert werden.Bei strahlendem Sommerwetter sagte der Maurerpolier seinen Spruch, wobei er Gott dem Schöpfer für die erwiesene Gnade dankte und den zukünftigen Bewohnern einen geruhsamen und friedlichen Lebensabend wünschte“ (dt; DeWeZet).
Ende August stellt der Kirchenvorstand den zügigen Fortschritt der Bauarbeiten am Altersheim fest und beschließt einige Ergänzungen des Baukonzeptes, die bis zur Fertigstellung berücksichtigt werden sollen. So soll nun das Dachgeschoß vollständig ausgebaut werden, um dort weitere Zimmer für Bewohner einzurichten. Alles in allem können die Arbeiten so fortgeführt werden, daß noch vor dem Winter die Einweihung vorgesehen werden kann. Am 23. bzw. 28. Oktober wird zur Einweihung und Eröffnung des Altersheimes am 4. November 1952 eingeladen.
„Katholisches Altersheim Hameln – eine soziale und bauliche Großtat“ – „Gott zur Ehr‘, dem Alter zur Einkehr“ – „Haus St. Monika eingeweiht“ – so sind zeitgenössische Berichte überschrieben.
Am 4. November, dem Namenstag des Hl. Karl Borromäus, weil die Schwestern der nach diesem Heiligen benannten Ordensgemeinschaft („Borromäerinnen“) das Haus leiten werden, findet die Einweihung statt. Das Haus erhält den Namen „Monika-Heim“ nach der Mutter des Kirchenpatrons Augustinus, der Hl. Monika. Als Vertreter des Hochwürdigen Herrn Bischofs von Hildesheim nimmt der Generalvikar des Bistums, Dr. Offenstein, die Weihe vor. Domdechant Stuke und Caritasdirektor Sendker aus Hildesheim, Baudirektor Hodler, Oberstadtdirektor Wilke, Stadtamtmann Kerl und Amtmann Becker vom Landkreis gehören zu den Ehrengästen.
„Schon lange hatte die Gemeinde, an der Spitze der unermüdliche Dechant Hövelmann mit seinem Kirchenvorstand, die Absicht, im Zuge der großen Bauplanung auf dem von der Katholischen Gemeinde erworbenen Tivoli-Gelände neben anderen Gebäuden auch das Altersheim möglichst bald erstehen zu lassen... Das Bestreben ging dahin, das Gebäude bereits vor dem Winter zum Einzug fertigzustellen. Gottes Segen war mit dem Werk. ‚Guter Wille leistet viel!‘ sagte der Maurerpolier beim Richtefest, und sein Wort erwies sich als wahr... Der von Oberbaurat Hodler – Hannover entworfene Bau steht am Anfang der Sertürnerstraße, in seiner sachlichen und doch schönen Form eine Zierde für die ganze Stadt, ein Schmuckkasten, um den so manche andere Gemeinde Hameln beneiden könnte. ... Alles ist auf das Neuzeitlichste eingerichtet – ein Lob für die Kunst der Handwerker, die neben der Zweckmäßigkeit auch der Schönheit in der Ausführung ihren Tribut zollten. Die St. Augustinus-Gemeinde kann auf das Erreichte stolz sein!“ (J.L.)
Auch nach der Einweihung gibt es Auseinandersetzungen mit der immer noch auf dem Grundstück befindlichen Dampfwäscherei wegen der Rauchbelästigung. Der Betrieb hätte das Gelände bereits am 1. September 1951 räumen müssen.
Am 24. Mai 1953 kann Regierungsbaudirektor Otto Hodler die Schlußabrechnung für das Altersheim mit DM 178.258,27 vor legen. Hierin sind die Kosten für den ursprünglichen nicht vorgesehenen Dachgeschoß-Ausbau inbegriffen. Insgesamt wurden die Gelder durch den Kirchenbauverein und die Kirchengemeinde St.Augustinus, durch das Bistum Hildesheim, durch das Land Niedersachsen und durch die Gemeinschafts- Soforthilfe aufgebracht.
Joachim Wingert