Verabschiedung der Ordensschwestern am 26. Juni 1977 Im Hintergrund (vlnr.): Siegfried Hartwig, Rudolf Thiel, Pfr. Otto Pischel Im Vordergrund: Sr. Sarona, Sr. Mildgitha, Sr. Irene, Sr. Felicissima.
Vertriebene
Die Ordensschwestern, die mit der Einweihung die Versorgung und Betreuung der Bewohner im St.Monika-Heim übernahmen, gehörten zur Kongregation der Barmherzigen Schwestern von hl. Karl Borromäus, ursprünglich in der Schlesischen Ordensprovinz mit dem Mutterhaus Trebnitz. Sie teilten das Schicksal ihrer ostdeutschen Landsleute und wurden zu Kriegsende gezwungen, ihre Heimat zu verlassen.
Im Westen fanden sie eine neue Heimat im Kloster Grafschaft in Schmallenberg/Hochsauerland. Jetzt in den Notjahren nach dem Krieg warteten vielfältige Arbeiten und schwere Aufgaben auf die Schwestern.
Nach Hameln wurden sie gerufen, um die Leitung des Kindergartens und des damals im Bau befindlichen Altenheimes zu übernehmen.
16 Stunden Arbeitszeit
In der Anfangszeit hatte die eigentliche Pflege der Bewohner nur einen geringen Anteil an der täglichen Arbeit der Schwestern; so lag der Schwerpunkt der Arbeit im hauswirtschaftlichen Bereich. In dieser Zeit waren maximal sechs Ordensschwestern und einige Hilfskräfte rund um die Uhr für die 40 Bewohner tätig. Es liegt auf der Hand, dass bei den Schwestern ein 8-Stunden-Tag dafür nicht ausreichte; durchschnittlich 16 Stunden täglich waren sie an der Arbeit. Die einzige Ordensschwester mit Krankenpflegeausbildung hatte sich sogar zu einer 24-stündigen Einsatzbereitschaft verpflichtet.
Durch diese heute nicht mehr vorstellbare Arbeitsleistung konnten die Pflege- und Heimpensionskosten über Jahre hin äußerst niedrig gehalten werden. Der Wunsch der Bewohner und auch des Kirchenvorstandes, die Aufenthaltskosten im Monika-Heim niedrig zu halten, führte aber auch dazu, dass die Einnahmen für die Ausgaben an Personal, Instandhaltung und Anschaffungen nicht mehr ausreichten. Daher wurden wichtige Entscheidungen für Investitionen immer wieder hinausgeschoben, sodass die Einrichtung Anfang der siebziger Jahre nicht mehr dem allgemeinen Wohnstandard entsprach. Trotzdem war das Haus immer gut belegt und ausgelastet; dies lag sicher an der kirchlichen Trägerschaft, die viele Bewohner über Mängel hinwegsehen ließ, und vor allem an dem unermüdlichen Einsatz der Ordensschwestern. Ihm vor allem ist es zu verdanken, dass die Schwestern ohne zusätzliches Personal sogar die ständig zunehmende Pflegebedürftigkeit der Bewohner auffangen konnten.
Die Anforderungen an die Pflege, an die Wohnsituation der Bewohner und an die Ausstattung des Hauses wurden mit den Jahren anspruchsvoller und konnten mit den vorhandenen personellen und baulichen Gegebenheiten nicht mehr zufriedenstellend bedient werden. Dies führte bei den Schwestern und im Kirchenvorstand zu ersten Überlegungen, das Altenheim umzugestalten. So wurden seit Mitte der 70-iger Jahre kleinere Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Bald wurde aber sehr deutlich, dass diese lediglich renovierenden Arbeiten eine Umgestaltung des gesamten Hauses von Grund auf nicht ersetzen konnten. Der Kirchenvorstand mit Pfarrer Otto Pischel sah sich nun vor einer ganz außergewöhnlichen Herausforderung: die planerischen, organisatorischen und besonders finanziellen Voraussetzungen herbeizuführen, um das St.Monika-Heim zu sanieren und neu zu errichten, damit es den gestiegenen Anforderungen wieder entsprechen konnte.
Den großen Umbau des Altenheimes zum Altenpflegeheim St.Monika begleiteten die Ordensschwestern nicht mehr. Da der Kongregation der Nachwuchs fehlte und die in Hameln lebenden Schwestern selbst schon das entsprechende Alter erreicht hatten, mussten die Borromäerinnen ihren segensreichen Dienst in St.Augustinus in Hameln im Juni 1977 beenden.
In den 25 Jahren von 1952 bis 1977 waren im Kindergarten und im Altenheim 22 Barmherzige Schwestern vom Hl. Karl Borromäus aus dem Mutterhaus Kloster Grafschaft in Hameln tätig gewesen.
